Arbeitsgemeinschaft Berufungspastoral der Orden

Die Geschichte des Ordenslebens

ALTERTUM

Leben wie Jesus

Am Anfang stand die Begeisterung für Jesus Christus. Die ersten Christen hatten ihn noch persönlich erlebt oder aber von ihm gehört und wollten nach seinem Vorbild leben. Denn Jesus hatte sie überzeugt, dass man zu einem guten Leben nur findet, wenn man eine gute Beziehung zu Gott, zu sich selbst und zu seinem Nächsten lebt.

Verzicht auf alle Bindungen

Einige unter ihnen wollten Christus ganz radikal nachfolgen. Sie gingen aus den Städten und Dörfern weg und zogen sich in die Einsamkeit der Wüste zurück. Der Verzicht (Askese) auf Dinge, die von einer radikalen Beziehung zu Gott ablenken konnten, spielte dabei eine zentrale Rolle: So verzichteten sie auf jeglichen Besitz (Armut), sowie auf Ehe und Familie und lebten in sexueller Enhaltsamkeit (Keuschheit). Sie wollten sich ganz der Führung durch Gott anvertrauen und stellten ihren eigenen Willen zugunsten eines strikten Gehorsams gegenüber Gott zurück.

Sr. Petra M. Grünert OSF

Ich bin leidenschaftlich Franziskanerin und versuche die Botschaft von Jesus heute zu den Menschen zu tragen und begleite Menschen auf ihrem Glaubensweg.

Vom Einsiedler zum Klosterbruder

„Antonius der Mönchsvater“, ein Ägypter, der circa 251-356 nach Christus lebte, machte den Rat Jesu an einen reichen Mann zu seiner eigenen Lebensmaxime: „Wenn du vollkommen sein willst, geh, verkauf deinen Besitz und gib das Geld den Armen; so wirst du einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach“ (Evangelium nach Markus, 10,21).

Antonius gilt als Wegbereiter der Wüstenaskese. Seinem Beispiel folgten viele junge Männer und einzelne Frauen. Sie zogen sich an unbequeme Orte zurück, lebten in der Wüste, auf Bergen oder in Höhlen, um sich ganz auf Gott zu konzentrieren. Doch wegen der Gefahren eines solchen vereinzelten Lebens, etwa durch wilde Tiere, Räuber oder Krankheiten, schlossen sich spätere mehrere Einsiedler (auch Eremit: jemand, der aus religiösen Gründen von der Welt abgeschieden lebt) zu Kolonien zusammen. Sie gaben sich eng an das Evangelium angelehnte Regeln bzw. eine bestimmte Ordnung für ihr geistliches Leben (aus dem Lateinischen ordo). Das waren die ersten Ordens-Gemeinschaften.

In seinen Schriften hielt Pachomius, ein Schüler des Antonius, die wichtigsten Bestandteile des klösterlichen Ordenslebens erstmalig fest: gemeinsames Leben in Wohnstätten (Kloster), gemeinsame Arbeit, gemeinsamer Gebetsraum und ein geregelter Tagesablauf.

Daraus erwuchsen die ersten Formen des kontemplativen (von lat. contemplari „anschauen“, „betrachten“) Ordenslebens, in dessen Mittelpunkt das Gebet und die geistliche Betrachtung stehen (im Gegensatz zum aktiven Ordensleben, bei dem der Dienst am Nächsten, also das soziale Engagement eine zentrale Rolle spielt).

Heute nennt man diejenigen Orden, die aus den Wüstenväter-Gemeinschaften hervorgegangen sind Mönchsorden. Ihre männlichen Mitglieder heißen Mönche, die weiblichen Nonnen. Dazu gehören z. B.: Benediktiner und Benediktinerinnen; Zisterzienser und Zisterzienserinnen; Trappisten und Trappistinnen, Kartäuser und Kartäusernonnen. Mitglieder anderer Ordensgemeinschaften, die nicht auf die monastische Tradition zurückgehen werden schlicht Ordensmann und Ordensfrau genannt.

Leben nach einer „Regel“

Die Klosterordnung des Benedikt von Nursia (480-547) wurde zur Standardregel für mönchisches Leben bis ins 11. Jahrhundert hinein. Ihre Pfeiler waren die drei Mönchsgelübde: Verbot des Klosterwechsels (lat. stabilitas loci, also die Entscheidung, ein Leben lang in dem Kloster zu bleiben, in das man eingetreten ist), sittenreines (sexuell enthaltsames) Leben sowie Gehorsam. Der Tagesablauf der Mitglieder war minutiös geregelt, Gebet, Arbeit, gemeinsames Essen und Ruhepausen wechselten sich ab.

Die bekanntesten Ordensregeln gehen neben Benedikt von Nursia (480-547) auf den Kirchenvater Augustinus (354-430) sowie Franziskus von Assisi (1181-1226) zurück.

Sr. Regina M. Greefrath

Ich bin in einem Orden, weil ich es als große Bereicherung empfinde, gemeinsam mit meinen Mitschwestern auf dem Weg zu Gott zu sein und mich Ihm mit allem zur Verfügung zu stellen, was ich habe.

MITTELALTER (6. bis 15. Jahrhundert)

Neue Formen des Ordenslebens

Jede Zeit hat ihre eigenen Formen des Ordenslebens hervor gebracht. Immer wieder gab es herausragende christliche Persönlichkeiten im Laufe der Jahrhunderte, denen sich Männer und später auch Frauen begeistert anschlossen, um in einer Gemeinschaft die Nachfolge Christi zu leben. Aber vor allem politische und gesellschaftliche Entwicklungen, auch Fehlentwicklungen innerhalb der der Kirche, forderten die Christen heraus, neue Antworten auf die Bedürfnisse ihrer Zeit und vor dem Hintergrund des Evangeliums zu geben. So bildeten sich auch Ordensgemeinschaften, die neue und ganz andere Akzente in ihrem gemeinschaftlichen Leben setzten.

Als Gegenbewegung zu einer reich und mächtig gewordenen Kirche einerseits und der Entstehung krasser gesellschaftlicher Gegensätze andererseits entstanden im 12./13. Jahrhundert die so genannten Bettelorden. Sie verzichteten nicht nur auf persönlichen Besitz, sondern lehnten auch jeglichen Besitz ihrer Gemeinschaften ab und gingen buchstäblich betteln, um das Nötigste zum Leben zu bekommen. Die radikale Armut sollte die Ordensmitglieder frei machen für ihre ureigenen Aufgaben: die Hinwendung zum Nächsten, vor allem zu Armen und Ausgegrenzten, aber auch für andere Aufgaben wie Mission, Seelsorge, Wissenschaft und Predigt. Das war das Modell der sogenannten Vita Mixta (von lat. gemischtes Leben): diese Orden hielten sowohl das Gebet, die Stille und Kontemplation (geistliche Betrachtung) der alten Mönchsorden hoch, stellten sich aber jetzt auch in den Dienst am Mitmenschen. In dieser Tradition stehen unter anderem die Dominikaner, Karmeliter und die drei franziskanischen Männerorden (Franziskaner, Kapuziner, Franziskaner-Minoriten).

Auch die Zahl der Frauenorden nahm im 12. Jahrhundert zu: Es entstanden etwa die Zisterzienserinnen, Franziskanerinnen, die Karmelitinnen, die Dominikanerinnen, die Klarissen und Klarissen-Kapuzinerinnen.

Sr. Thekla Schönfeld MMS

Ich bin Ordensfrau, weil ich
-mit allem was ich bin-
Gottes heilende Liebe leben möchte.

NEUZEIT (mit Beginn des 16. Jahrhunderts)

Zu Beginn der Reformation (von lat. reformatio „Wiederherstellung, Erneuerung“), einer kirchlichen Erneuerungsbewegung, die zur Spaltung des westlichen Christentums in verschiedene Konfessionen führte, gründete der baskische Adelige Ignatius von Loyola die „Gesellschaft Jesu“, den Jesuitenorden. Er und seine Anhänger gelobten Armut und Keuschheit und verschrieben sich – das war neu – der Mission. Denn in den Zeiten der Reformation waren viele Glaubenssätze, aber auch die Kirchenpraxis und vor allem das Verhalten der Priester, massiv infrage gestellt und kritisiert worden.

Die Jesuiten setzten dagegen Zucht und Ordnung. Sie trugen keine Ordenstracht und waren parallel zu militärischen Strukturen straff hierarchisch organisiert. Ihre Ordensregeln wichen von den bisher üblichen ab und orientierten sich an militärischen Disziplinarvorschriften. Gleichzeitig waren Loyola und seine Anhänger neuen Predigtformen gegenüber aufgeschlossen, um ihrem Ziel, der Glaubensweitergabe, gerecht zu werden. So wurde der Orden schnell zu einem wichtigen Träger der Gegenreformation.

Der Jesuitenorden entwickelte sich rasch und stieß besonders im 17. Jahrhundert viele weitere Ordensgründungen an. Diese neuen Gemeinschaften im ignatianischen Geist sahen ihren besonderen Auftrag in der Jugenderziehung und der Glaubensunterweisung des katholischen Volkes. Hierzu gehören z.B. die Salvatorianer oder die Salesianer Don Boscos.

Die Neuzeit stellte die Orden vor neue Herausforderungen: In Europa vollzog sich die industrielle Revolution mit all ihren Problemen: große Armut, gefährliche Arbeitsbedingungen, Kinderarbeit, Menschen, die auf engstem Raum unter schlimmsten hygienischen Bedingungen zusammen lebten, fehlende Bildung. In dieser Zeit entstehen zahllose Orden, die sich den notwendigen sozial-caritativen Aufgaben widmen: wie Bildung, Krankenpflege, Armenfürsorge, Jugenderziehung und Glaubensvermittlung. Sie werden „aktive“ Orden genannt. Dazu gehören zum Beispiel die Vinzentinerinnen, Clemensschwestern, Alexianerbrüder, Franziskaner von Hausen, Redemptoristen, Passionisten, Franziskanerinnen und viele Gemeinschaften mehr.

GEGENWART

Auf die Blüte des klösterlichen Lebens im 19. Jahrhundert, in dessen Zuge sich viele neue, meist aktive Ordensgemeinschaften gründeten, folgte im 20. Jahrhundert für die Orden eine harte Probe. Zwei Weltkriege brachten die Zerstörung vieler Klöster und die Vertreibung von Ordensleuten mit sich. Nach 1945 betrieben die Orden in Deutschland einen emsigen Wiederaufbau. Doch das Lebensmodell im Kloster geriet in Europa in die Krise und immer weniger Männer und Frauen schlossen sich den verschiedenen Gemeinschaften an.

Seit einigen Jahren erwacht jedoch ein neues Interesse – vor allem an kontemplativen (beschaulichen) und strengen Orden. Darauf reagieren viele Orden mit einem neuen Angebot: „Kloster auf Zeit“ bietet Männern und Frauen die Möglichkeit, das Klosterleben kennenzulernen und eine Zeitlang mitzuleben. 

In anderen Teilen der Welt, vor allem in Afrika, Asien und Südamerika entstehen dagegen bis heute neue Orden, die immer neue Bezüge zur Gegenwart, zu den Nöten ihrer Zeit und ihrer politischen wie kulturellen Situation herstellen. Aber auch in Europa ist das Ordensleben nicht zu Ende. Neben den bereits bestehenden Gemeinschaften entstehen auch hier religionsübergreifende ordensähnliche Gemeinschaften sowie Gemeinschaften, in den Ordensfrauen und -männer zusammen leben.