Arbeitsgemeinschaft Berufungspastoral der Orden

Keuschheit

Die Begriffe Keuschheit, Jungfräulichkeit und Ehelosigkeit werden häufig synonym verwendet. Dabei trägt jeder für sich einen eigenen Akzent. Tatsächlich haben sie alle etwas mit dem freiwilligen Verzicht auf gelebte Sexualität zu tun. Im tieferen Sinne verweisen alle drei Begriffe jedoch auf die unbedingte Liebe zu Gott und dem Nächsten.

Wer Ehelosigkeit verspricht, verzichtet darauf, sich an einen einzelnen Menschen zu binden. Um des Himmelreiches willen und der Verfügbarkeit für Gott und den Dienst am Nächsten. Mit anderen Worten geht es darum, sich mit Leib und Seele Christus anzuvertrauen.

Der Begriff der Jungfräulichkeit klingt verstaubt und unzeitgemäß. Ursprünglich bedeutet Jungfräulichkeit jedoch ganz schlicht: ein reines Herz haben, Gott allen Raum einräumen, sich ihm überlassen und sich ihm voll und ganz öffnen. Wer jungfräulich ist, ist voller Sehnsucht und Erwartung nach dem prallen Leben.

Sr. Roswitha Maria Schmitz

„Ich bin im Orden, weil mich die Spiritualität der Hl. Angela und ihre Art Jesus nachzufolgen überzeugte.“

Keuschheit meint eine grundlegende Haltung, nämlich die Bereitschaft, sich selbst zurücknehmen und Gott und dem Nächsten mit jeder Faser des eigenen Leibes gerecht werden wollen.

Wenn Ordensleute Keuschheit geloben, versprechen sie auch im engeren Sinne sexuell enthaltsam zu leben, um sich leichter mit ungeteiltem Herzen allein Gott hingeben zu können.

In einer Ordensregel heißt es dazu: Ordensleute geloben Keuschheit, „um Menschen zu sein für die anderen, in Freundschaft und Verbundenheit mit allen, besonders aber mit denen, die gemeinsam mit uns in der Sendung stehen.“ (Ergänzende Normen der Congregatio Jesu).

Wer dieses Gelübde verspricht, wird zwar keine eigenen Kinder haben, aber auf andere Weise fruchtbar. Es geht darum, offen zu sein, was Gott von und für einen will und so zu wachsen. Im Zusammenhang mit der Armut behält ein Ordensmensch diesen Wachstum nicht für sich, sondern gibt ihn weiter an diejenigen, denen er begegnet.