Arbeitsgemeinschaft Berufungspastoral der Orden

Gehorsam

„Dein Wille geschehe“. In dieser zentralen Bitte des christlichen Grundgebetes, dem Vaterunser, drücken sich der Wunsch und die Bereitschaft aus, sich ganz auf Gott und seine Führung einzulassen. In der christlichen Tradition wird das Gehorsam gegenüber Gott genannt.

Gehorsam hat heute oft einen Beigeschmack. Es lässt an blinden Gehorsam, an erzwungenen Gehorsam gegenüber zweifelhaften Autoritäten denken. Der Gehorsam gegenüber Gott ist jedoch eine in Freiheit und Liebe getroffene Entscheidung. Über den Sinn des freiwilligen Gehorsams sagte Papst Johannes Paul II. einmal gegenüber Ordensfrauen: „Heute wird viel gesprochen von Befreiung und Emanzipation, und es kommt diesen in sich berechtigten Anliegen eine besondere Bedeutung zu. Wird aber der Mensch, der nur Gebote und Bindungen abschüttelt, schon wirklich frei? Findet er heraus aus der Gefangenschaft des Egoismus und des Hasses, wenn er jeder Autorität misstrauisch gegenübersteht? Ihr lebt den Gehorsam. Ihr steht in der Freiheit der Liebe, weil ihr auf Gott vertraut und seiner Liebe gewiss seid. Euer Maßstab ist der Gehorsam Jesu." (OR 1987, Nr.19, 21)

Ordensleute nehmen sich vor, diesen Gehorsam gegenüber Gott und seinem Wort in radikaler Weise zu leben. Gehorsam üben im geistlichen Sinne bedeutet Abstand zu nehmen von sich selbst und seinen eigenen Bedürfnissen, um aktiv, kreativ und gewissenhaft Verantwortung in Kirche und Welt zu übernehmen. Dazu ist es nötig, genau hin zu hören, auf die Stimme Gottes, auf die eigenen Bedürfnisse, auf das, was die Gemeinschaft und die Welt brauchen. 

Sr. Angela Zehe

Ich bin in meiner Ordensgemeinschaft, weil ich im gemeinsamen unterwegs sein auf Gott hin erfülltes Leben erfahren darf - in aller Unterschiedlichkeit, heilend und versöhnend Zeugnis von Gottes Zuwendung zu geben.

Gott teilt sich in vielen alltäglichen Situationen mit, durch Menschen, die uns begegnen, aber auch im Wort der Heiligen Schrift. Im Jakobusbrief (Jak 1,21b-22a) heißt es: „Nehmt euch das Wort zu Herzen, das in euch eingepflanzt worden ist und das die Macht hat, euch zu retten. Hört das Wort nicht nur an, sondern handelt danach.“

Wer im geistlichen Sinn gehorsam ist, sucht einerseits rückblickend nach dem, was Gott bereits „in ihn eingepflanzt hat“. Was hat Gott schon in meinem Leben gewirkt? Worin bestehen die größeren Zusammenhänge meines Lebens, in denen sich der Wille Gottes zeigt? Andererseits zielt die Aufforderung „Hört das Wort nicht nur an, sondern handelt danach“ auf die Zukunft. Es geht um Entschiedenheit im Handeln und um Veränderung hin zu mehr Leben in Gott.

Ordensleute verpflichten sich aber auch, ihrem Ordensoberen (ihrem „Vorgesetzten“) gehorsam zu sein.

Die Oberen haben ihrerseits die Verpflichtung, genau hinzuhören, was im Sinne Christi für den Einzelnen oder die Einzelne und für die Gemeinschaft gut ist, damit sich der Wille Gottes erfüllt. Darum hören Vorgesetzte, wenn sie den Gehorsam ernst nehmen, ernsthaft auf die Meinung derjenigen, die Gehorsam versprochen haben.

Nur im aufeinander Hören gelingt Zusammenleben: Auch im Kloster braucht es das offene Ohr füreinander, damit die Bedürfnisse und auch die Fähigkeiten des Einzelnen sensibel wahrgenommen werden können. Im gemeinsamen Hören können so gehorsame Entscheidungen getroffen werden.