Arbeitsgemeinschaft Berufungspastoral der Orden

Armut

Armut als Lebensregel und innere Haltung hat verschiedene Facetten.

Zunächst geht es darum, Jesus in seiner Hingabe für die Menschen nachzufolgen, so wie sie im Brief an die Gemeinde in Philippi (Phil 2,6 ff) beschrieben wird: „Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz.“ Armut meint danach von eigenen Bedürfnissen absehen und so ganz da sein Wollen für Gott und die Menschen. Ordensleute leben deswegen in großer Solidarität mit allen Menschen. Sie teilen ihre Gaben, also das, was sie materiell besitzen, und ihre Begabungen, also das, was sie können. Armut macht auf diese Weise frei, für andere da zu sein und nicht immer auf seinen eigenen Vorteil achten zu müssen.

Sr. Kerstin-Marie Berretz OP

Ich bin im Orden, weil ich mit meinem ganzen Leben auf den liebenden Ruf Jesu antworten will und das als Dominikanerin am besten kann.

Ein zweiter Aspekt der Armut: Sobald der Mensch mehr auf Materielles vertraut als auf die Fürsorge Gottes, wird die Beziehung zu den Dingen 'faul'.

Im Buch Exodus (Ex 16,16 ff) wird erzählt, wie die Israeliten in der Wüste Manna – eine Art süßes Brot – anhäuften, weil sie Angst hatten, am nächsten Tag nichts mehr zu essen zu haben. Dabei hatte Gott versprochen, dass er für sie sorgt. Am nächsten Tag war das Manna faul geworden.

Wir Menschen sind versucht, uns an Dinge zu klammern. Dann aber ergreifen die Dinge Besitz von uns. Sie beginnen uns zu beherrschen, ohne uns die gewünschte Sicherheit geben zu können. Ein Leben in Armut bedeutet also auch, ganz konkret loszulassen. Loslassen vom eigenen Auto, vom neuesten Smartphone, von der Weltreise. Wer so loslässt, hat plötzlich die Hände frei für Geschenke: das Manna in der Wüste, die Begegnung mit einem anderen Menschen, ein tolles Buch...